SV-Loccum

Vor einiger Zeit hatten mir meine Kinder ein Tagesseminar „Traditionelles Bogenschießen“ geschenkt. Letzten Samstag habe ich den Gutschein eingelöst.

Die Veranstaltung fand zwischen Bielefeld und Gütersloh auf einem weitläufigen ehemaligen Militärgelände statt. Das Areal gab einiges her: Von Heidesand über leichte Hügel bis Wald war alles an Landschaft und Vegetation vertreten. Der Wald ist darüber hinaus forstwirtschaftlich nicht genutzt und sich selbst überlassen. Ein echter Urwald eben.

Wir Teilnehmer, drei Frauen und fünf Männer, kamen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen. Vom Bogensport völlig unbefangen bis recht gut war alles vertreten.

Kai, unser Coach, würde das schon anpassen.

Nach einer intensiven Sicherheitsbelehrung und Grundlageninformationen ging es ans „Bogenfassen“. Jeder erhielt einen Blankbogen, Zuggewicht 18 oder 22 Pfund, und 5 Pfeile. Dann wurde es ernst. Vor einer Wand aus gestapelten Strohballen erhielten wir zunächst eine Einweisung in die Schießhaltung und das richtige Lösen. Für mich war alles anders, da ich als „Compounder“ auf ein ruhiges Zielen über ein Visier getrimmt bin. Hier ging es aber darum, ein Ziel aufzufassen, sich auf einen kleinen Ausschnitt des Ziels zu konzentrieren, den Bogen hochzunehmen, zu ziehen, seitlich am Gesicht zu ankern und zu lösen. In diesem Ablauf darf der Blick nicht vom Ziel weichen. Also nicht über Pfeilspitze oder Bogenfenster aktiv zielen. Kein Stringwalking zur Veränderung der Entfernung. Kein anderer Ankerpunkt im Gesicht.

Es war faszinierend, aber nach einigen Fehlversuchen gelang es mir, auf ca. zehn Meter richtig gute Gruppen zu schießen. Und zwar auch dort, wo ich hin wollte. Man musste nur darauf vertrauen, dass man auch ohne aktives Zielen über eine irgendwie geartete Zielvorrichtung treffen kann. Den anderen Mitstreitern ging es ebenso.

Nach vielen Übungspfeilen auf die blanke „Wand“ kamen die ersten echten Ziele – bunte Luftballons. Und tatsächlich, es funktionierte. Ein Ballon nach dem anderen zerplatzte. Dann war Mittagspause.

Am Nachmittag kam nach der Pflicht die Kür – ein sechs Hektar großer 3D-Parcours. 28 Tierziele in unterschiedlichen Landschaften. Mal in offener Heide. Mal tief im (Ur-)Wald versteckt. Wir schossen zum Teil in für WA-Schützen unmöglichen Haltungen zwischen Bäumen, Zweigen und Blättern hindurch. Eine breite Schneise zum Ziel gab es nur höchst selten. Wer nicht aufpasst, lernt hier, dass auch kleine Zweige und selbst Blätter Pfeile ablenken können.

Anspruchsvoll waren auch die Schüsse stehend von der offenen Jagdkanzel aus gut drei Metern Höhe. Die Tierziele waren ebenfalls sehr unterschiedlich: Klitzekleine Ziele wie Wespe und Schildkröte wechselten mit Großzielen wie Hirsch, Wildschwein und Gorilla. Dabei hoben sich die Ziele farblich kaum vom jeweiligen Hintergrund ab. Ein nahezu echtes Jagdfeeling kam auf.

Die Schussentfernungen lagen so bei 20 bis gut 60 Metern.

Für uns 3D-Novizen wurde jedoch eine Ausnahme gemacht: Bei den sehr weiten Zielen durften wir noch unterhalb der jeweiligen Mindestentfernung schießen, um nicht zu sehr gefrustet zu sein und um Pfeilverlusten vorzubeugen. Aber auch so war manches Mal auch noch zu weit. Die Pfeile bohrten sich weit vorher in den Boden.

Für mich als bisher reinem WA-Schützen – mit einem kleinen Ausflug in den Feldbogensport – war diese Art des Bogenschießens höchst ansprechend. Ich verfiel zwar immer mal wieder mal ins aktive Zielen was unweigerlich einen Fehlschuss bedeutete. Bei der Masse der Ziele – auch den weiten – lag ich aber „instinktiv“ richtig und traf. Wenn auch nicht immer ins „Kill“ aber Körpertreffer zählen ja auch.

Am späten Nachmittag war die Veranstaltung zu Ende. Wir hatten viele Pfeile geschossen und waren weit gelaufen. Keiner war zu Schaden gekommen. Es gab keine Materialverluste zu beklagen, denn alle Pfeile, die ihre Ziele verfehlt hatten, wurden aufgefunden.

Unter dem Strich  war für mich höchst faszinierend, wie man instinktiv mit dem Bogen auf diverse Entfernungen treffen kann, vor allem als Newcomer.

Ich werde auf jeden Fall den Parcours noch einmal abgehen. Diesmal aber mit meinem angestammten Sportgerät, dem Compoundbogen. Der ist bis zu einer maximalen Zugkraft von 55 Pfund ebenfalls dort zugelassen.